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	<description>Sexuelle Gewalt im freikirchlichen Umfeld</description>
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		<title>Wir opfern unsere Kinder</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Ille Ochs]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 15:21:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
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					<description><![CDATA[<p>Im Podcast UNERHÖRT wurde ich gefragt, welcher Bibelvers mir im Blick auf das Thema sexuelle Gewalt besonders wichtig ist. In diesem ergänzenden Text möchte ich meine spontane Antwort näher erläutern.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dunkhellziffer.de/wir-opfern-unsere-kinder/">Wir opfern unsere Kinder</a> erschien zuerst auf <a href="https://dunkhellziffer.de">Dunkhellziffer</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading" style="line-height:1.5"><strong>Im Podcast UNERHÖRT wurde ich gefragt, welcher Bibelvers mir im Blick auf das Thema sexuelle Gewalt besonders wichtig ist. In diesem ergänzenden Text möchte ich meine spontane Antwort näher erläutern.</strong></h3>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Unsere Kinder werden dem Moloch geopfert!</em> Dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf, als ich im Podcast nach einem Bibelvers zum Thema sexuelle Gewalt gefragt wurde. Darüber war ich in dem Moment selbst erschrocken, und hatte weder den genauen Wortlaut noch die Bibelstelle parat. Ich erinnerte mich aber, dass es mich vor vielen Jahren, als ein solcher Text in einem Gottesdienst gelesen wurde, wie ein Blitz durchfuhr mit genau diesem Eindruck: <em>So etwas geschieht auch bei uns.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Um meine Antwort besser zu verstehen, muss ich zunächst einmal einen anderen hierfür relevanten Bibeltext zitieren. Und zwar die Rede Jesu aus Markus 9,42-48:</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-style-default is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="has-base-font-size wp-block-paragraph"><em>„42 Und wer eines dieser Kleinen, die an mich glauben, zu Fall bringt, für den wäre es besser, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde. <br>43-44 Und wenn deine Hand dir Anstoß zur Sünde gibt, so hau sie ab! Es ist besser für dich, als Krüppel in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das unauslöschliche Feuer. <br>45-46 Und wenn dein Fuß dir Anstoß zur Sünde gibt, so hau ihn ab! Es ist besser für dich, lahm in das Leben hineinzugehen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. <br>47 Und wenn dein Auge dir Anstoß zur Sünde gibt, so wirf es weg! Es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes hineinzugehen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, <br>48 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt‘.“</em></p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Insbesondere Vers 42 verdeutlicht auf drastische Weise: Der Mühlsteinwar damals das zerstörerischste Werkzeug, für das es keine Steigerung mehr gab. Das als Metapher für die drohenden Konsequenzen gegenüber den Tätern einzusetzen, zeigt deutlich: Sexueller Missbrauch richtet schlimmsten Schaden an.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Hölle gibt es wirklich</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Interessant ist der Zusammenhang beider Bibelstellen: Unmittelbar nach dem Vers mit dem Mühlstein spricht Jesus gleich zweimal von der Hölle – und bezieht sich dabei durchaus auch auf Texte aus 2. Könige 16,3 und 21,6, wo von Kindesopfern an den Götzen Moloch die Rede ist: Die Hölle (Gehenna), von der Jesus in Markus 9 spricht, ist nämlich die griechische Bezeichnung für das hebräische Ge-hinnom (Tal des Hinnom), südlich vom Tempelberg in Jerusalem gelegen. In diesem Tal wurden zur Zeit Manasses und Ahas Kinder als Opfergabe verbrannt, man ließ sie „durchs Feuer gehen“. Zur Zeit Jesu wiederum befand sich dort die Mülldeponie Jerusalems mit schwelenden Feuern und Dauerbefall von Würmern. In der jüdischen Tradition zur Zeit Jesu war es symbolisch zum Ort des Endgerichts und der Läuterung geworden – ein Ort des Feuers und der Gottesferne.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hölle wird hier zum Ausdruck der maximalen Abkehr von Gott, wo rituelle Kindesopfer für den Inbegriff des absolut Bösen stehen. Jesus bezeichnet die Hölle dabei nicht als einen abstrakten Ort im Jenseits, sondern bezieht sich auf einen irdischen, geografischen Ort im Diesseits: die Mülldeponie Jerusalems, wo ständig Feuer brannte und der Abfall, der nicht vom Feuer erfasst wurde, unter ständigem Wurmbefall verrottete.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Wem opfern wir unsere Kinder?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Jesus warnt eindringlich: „Wer einem dieser Kleinen, die an mich glauben, so etwas antut, richtet unwiderruflichen Schaden an.“ Kinder glauben gerne und bereitwillig. Doch sie können noch nicht unterscheiden zwischen Gott und der Gewalt ausübenden Person, die von diesem Gott erzählt. Erleben sie Missbrauch im Kontext von Glauben und Kirche, werden sie unfähig, einem solchen Gott zu vertrauen, weil sich das Gesagte und das Erlebte vermischen. Doch wo Worte und Taten nicht zusammenpassen, gräbt sich tief in ihre Seele ein nagendes Misstrauen ein. Worte reichen nicht aus, um dieses oft lebenslange innere Leiden zu beschreiben. Im Podcast sprechen wir ausführlich über die zerstörerischen Auswirkungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Erschreckende daran: Jesus richtet diese Warnung nicht an Heiden und Außenstehende, sondern an die Jünger, seine engsten Freunde und Nachfolger. Die hatten gerade darüber diskutiert, wer von ihnen wohl der Größte sei (Markus 9,34). Das Streben nach Ansehen und Anerkennung, nach Image und Prestige, macht also auch vor den Nachfolgern Jesu nicht halt. Allerdings kommt es oft sehr subtil daher, gerade bei uns Christen. Denn dort, wo wir bewusst oder unbewusst versuchen, den guten Ruf unserer Gemeinden mit vermeintlich geistlichen Argumenten aufrechtzuerhalten, tangiert es letzten Endes die Ebene des Machterhalts. Wo wir sogar befürchten, mit dem Aussprechen der Wahrheit dem Evangelium und damit Jesus selbst zu schaden, spielen wir dem Bösen in die Hände und werden indirekt zu Mittäterinnen und Mittätern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mehr und mehr bin ich davon überzeugt, dass wir Sünde zu einseitig individuell denken, sündige Systeme hingegen, die sich innerhalb der Institution Gemeinde befinden können, kaum beachten und dadurch womöglich unbewusst an ihnen teilhaben. „Zur Sünde verführen“ bedeutet dann auch nicht, die „Kleinen“ aktiv zur Sünde zu ermutigen, sondern sie in dieses sündhafte System des Schweigens mit hineinzuziehen. Wenn ihnen gedroht wird: „Das musst du für dich behalten, sonst schadest du der Gemeinde, den betreffenden Mitarbeitern oder sogar Jesus selbst“, werden sie gewaltsam zu einem Teil dieses teuflischen Systems gemacht. In ihnen werden Lügen über Gott verfestigt, Lügen über sich selbst, krankmachende Abhängigkeiten geschaffen, die sie in diesem Opferstatus festhalten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es wäre kaum auszudenken, könnten unsere Gemeinden zu einem Ort werden, in denen „einäugige, verkrüppelte Menschen mit abgehackten Händen und Füßen“ sitzen, um in der drastischen Sprache von Jesus zu bleiben (Markus 9,43-48). Gemeinden, in denen verwundete Kinder und Erwachsene Gehör finden. Dann wäre die Illusion einer vollkommenen Gemeinde zerstört; stattdessen würde sie zu einer echten Repräsentantin des Reiches Gottes – und damit ein dringend benötigter Zufluchtsort für die Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Eine persönliche Anmerkung zum Schluss: Diesen Text habe ich nicht als Anklägerin geschrieben, sondern als Opfer von sexueller Gewalt, die selbst lange Zeit darum bemüht war, den guten Ruf der eigenen Gemeinde aufrechtzuerhalten. Uns Christen ist der Schutz des ungeborenen Lebens wichtig. Wie wichtig ist uns der Schutz des geborenen Lebens und was sind wir bereit, dafür zu opfern?</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">(Ille Ochs, September 2026)</p>



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<p class="wp-block-paragraph"><a id="_msocom_1"></a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>UNERHÖRT</title>
		<link>https://dunkhellziffer.de/unerhoert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Debora Höly]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 07 Oct 2024 15:35:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dunkhellziffer.de/?p=115</guid>

					<description><![CDATA[<p>Jeden Tag werden in Deutschland 54 Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch. Es passiert überall – im Kindergarten, in Vereinen, in der Familie. Und im kirchlichen Kontext. Schon lange ist bekannt, dass ein Großteil der Missbrauchstaten im nahen sozialen Umfeld stattfindet und trotzdem möchte niemand das Unglaubliche denken: dass Kinder sexuellen Missbrauch oft gerade dort erleben, wo sie eigentlich geschützt werden sollten – auch innerhalb christlicher Gemeinschaften.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dunkhellziffer.de/unerhoert/">UNERHÖRT</a> erschien zuerst auf <a href="https://dunkhellziffer.de">Dunkhellziffer</a>.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading" style="line-height:1.5">Jeden Tag werden in Deutschland 54 Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch. Es passiert überall – im Kindergarten, in Vereinen, in der Familie. Und im kirchlichen Kontext. Schon lange ist bekannt, dass ein Großteil der Missbrauchstaten im nahen sozialen Umfeld stattfindet und trotzdem möchte niemand das Unglaubliche denken: dass Kinder sexuellen Missbrauch oft gerade dort erleben, wo sie eigentlich geschützt werden sollten – auch innerhalb christlicher Gemeinschaften.</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><em>von Debora Höly</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Als die Missbrauchsfälle der katholischen Kirche bekannt wurden, zeigten nicht nur Ungläubige höhnisch mit dem Finger auf die „anderen“, die ja mit Zölibat und hierarchischen Machtstrukturen Risikofaktoren hätten, die andere Konfessionen und Denominationen nicht haben. Doch dann erschien im Januar 2024 die Missbrauchsstudie der EKD und dieses Argument war nicht länger haltbar. Es seien genau solche Verweise auf „die anderen“ oder die Einordnung von sexualisierter Gewalt als gesamtgesellschaftliches Phänomen, die jahrzehntelanger Tabuisierung Vorschub leisteten, sagt Martin Wazlawik, Leiter der ForuM-Studie, in der die Missbrauchsfälle der Evangelischen Kirche offengelegt wurden. Unter seiner Leitung wurde offenbar: Auch innerhalb der Evangelischen Landeskirche und Diakonie hatte es tausende Opfer sexualisierter Gewalt gegeben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch wie steht es um die Freikirchen? Sie sind strukturell flexibel, ihre Mitglieder engagieren sich ehrenamtlich und räumen der Familie einen hohen Wert ein. <em>So etwas gibt es bei uns nicht. Das sind höchstens Einzelfälle</em>, hieß es immer wieder in freikirchlichen Kreisen. Bloß kein zu großes Drama aus Einzelfällen machen, das würde die eigene Freikirche in Verruf bringen und nur eine Hexenjagd auslösen. Freikirchen sollten sich doch bitte auf den Kernauftrag der Gemeinde konzentrieren: das Evangelium zu verkündigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-1">Unsäglich: Was nicht sein darf</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich musste mit meinem Vater Pornos anschauen und sein Glied dabei halten“, „Ich wurde in der Ehe mit einem ‚gläubigen‘ Ehemann betäubt und vergewaltigt“, „Es kam zum vollzogenen Akt als Kleinkind mit meinem Vater“, „Er hat mir unter das T-Shirt gegriffen und meine Brüste gehalten. Ich musste auf dem Schoß sitzen bleiben und durfte nicht gehen. Er war und ist Gemeindemitglied“. Die Aussagen dieser Frauen stehen exemplarisch für hunderte Betroffene, die im freikirchlichen Umfeld sexualisierte Gewalt erfahren haben. Unter den 6.744 Teilnehmern der Online-Umfrage #Dunkhellziffer waren 1.034 Betroffene von sexualisierter Gewalt, davon 873 Betroffene, die heute in eine deutsche Freikirche gehen. Bei 466 Betroffenen kam auch der Täter aus einem freikirchlichen Umfeld.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 538 Kommentare der Betroffenen über die Art ihres erlebten Missbrauchs beinhalten Schilderungen von unsäglichem Leid, Brutalität und Entwürdigungen, die die Betroffenen am eigenen Leib erleben mussten. Die Hälfte der Betroffenen war unter zehn Jahre alt, als der eigene Vater, Bruder, Onkel, Opa oder ein Bekannter aus der Gemeinde sich das erste Mal an ihnen verging, 88 Prozent waren zu diesem Zeitpunkt minderjährig. In 85 Prozent der Fälle handelte es sich um sogenannte „hands-on“-Taten, also sexuelle Handlungen mit Körperkontakt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die 100 Seiten der Umfrageauswertung zeigen auf, dass es sich bei sexualisierter Gewalt im freikirchlichen Kontext nicht um Einzelfälle handelt. Sie zeigen auch auf, dass diese Straftaten bisher in großes Schweigen gehüllt waren. Viele dieser Taten sind tatsächlich so grausam, dass es schwer ist, Worte dafür zu finden. Doch es ist genau dieses Schweigen und Wegschauen, das eine Aufarbeitung für Betroffene fast unmöglich macht. Und es ist die Sprachlosigkeit und das Schweigen, die begünstigen, dass Kinder erstmals oder erneut zu Opfern werden.</p>



<figure class="wp-block-pullquote has-base-color has-primary-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-2" style="border-style:none;border-width:0px"><blockquote><p><strong>Die 100 Seiten der Umfrageauswertung zeigen auf, dass es sich bei sexualisierter Gewalt im freikirchlichen Kontext nicht um Einzelfälle handelt. Sie zeigen auch auf, dass diese Straftaten bisher in großes Schweigen gehüllt waren.</strong></p></blockquote></figure>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-3">Unglaublich: Geschützt werden oft die Täter</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Kind, das sexuellen Missbrauch erlebt hat, braucht Experten zufolge bis zu acht Anläufe, bevor ein Erwachsener ihm glaubt. Überhaupt jemandem von sexualisierter Gewalt zu erzählen, erfordert großen Mut. Wie viel mehr Mut braucht das Kind, wenn es für das Geschehene möglicherweise kein Vokabular hat oder gar nicht einordnen kann, was da passiert ist. Mehr noch, wenn der Täter ein Familienmitglied oder guter Bekannter aus der Gemeinde ist, dem die Eltern vertrauen, oder ein Missionar, zu dem die ganze Gemeinde aufschaut. Wenn dieses Kind dann all seinen Mut zusammennimmt und jemandem davon erzählt, der ihm nicht glaubt oder sogar wütend reagiert, ist das nicht nur grausam, sondern erneut traumatisch. „Ich wurde hart bestraft dafür, dass ich mir sowas ausdenken würde“, schreibt eine Betroffene, die als Kind von ihrem Bruder und einem Verwandten missbraucht wurde. „Ich hätte mir gewünscht, dass meine Eltern mir geglaubt hätten. Aber mir wäre niemals geglaubt worden“, schreibt eine andere Betroffene. „Als Opfer ist man einfach nur lästig und hält den frommen Gemeindeprozess auf.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Rund die Hälfte der Betroffenen durch Täter aus dem freikirchlichen Umfeld brauchte mindestens sechs Jahre, bis sie den erlebten Missbrauch jemandem anvertrauten. Das bedeutet: Zu viele Kinder blieben viel zu lange mit dem Unrecht allein – oft ihre ganze Kindheit und Jugendzeit, manche haben bis heute niemandem davon erzählt. 64 Prozent der Betroffenen durch Täter aus dem freikirchlichen Umfeld erlebten, dass ihnen entweder nicht geglaubt wurde, oder dass ihnen geglaubt wurde, aber niemand etwas unternahm. 75 Prozent begegneten ihrem Täter nach dem Missbrauch weiterhin regelmäßig, immer wieder führte dies den Kommentaren zufolge zu erneutem Missbrauch.</p>



<figure class="wp-block-pullquote has-base-color has-primary-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-4" style="border-style:none;border-width:0px"><blockquote><p><strong>Das bedeutet: Zu viele Kinder blieben viel zu lange mit dem Unrecht allein – oft ihre ganze Kindheit und Jugendzeit, manche haben bis heute niemandem davon erzählt.</strong></p></blockquote></figure>



<p class="wp-block-paragraph">&nbsp;„Beide Brüder haben meine Schwestern und mich ständig angefasst an Po oder Brüsten. Meine Mutter war der Meinung, wir wären selbst schuld, obwohl wir bei Kleidergröße 34 schon XL-Kleidung trugen, um alles Weibliche zu vertuschen.“ „Verschiedene verheiratete Männer über 50 in Leitungspositionen haben sich das Recht rausgenommen, mich als junge Frau in der Leitung im Kinder- und Jugendbereich bewusst am Po zu berühren und in Gesprächen keine körperliche Distanz zu bewahren; sie waren anzüglich und haben mich anscheinend ‚zufällig‘ anders berührt. Auf leise Hilfefragen kam die Antwort: ‚Das gibt es nicht‘, ich solle mich nicht so haben, ich solle Verständnis zeigen – ich wäre ja jung und hübsch, „da ist das so!“ Immer wieder beschreiben die Betroffenen, wie ihnen die Schuld oder Teilschuld gegeben wurde, wie die erfahrene Gewalt bagatellisiert und das Verhalten der Täter entschuldigt wurden. Derartiges Verhalten ist eine Täter-Opfer-Umkehr, die nicht nur die Augen verschließt vor dem, was ist, sondern auch ermöglicht, dass Übergriffe weiter stattfinden können und Betroffene weiter schweigen. Nach Aussage der Betroffenen waren es vor allem Eltern und geistliche Leiter, die ihnen am wenigsten glaubten – insbesondere dann, wenn der Täter ebenfalls aus einem freikirchlichen Umfeld kam.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieses Nicht-wahrhaben-Wollen und der Unwille, den Betroffenen zuzuhören, führen einerseits dazu, dass Betroffene sich allein gelassen fühlen und irgendwann nicht mehr den Mut haben, darüber zu sprechen. Andererseits führt es dazu, dass aus dem Fehlverhalten einzelner Personen ein strukturelles Problem werden kann. Denn wenn missbräuchliches Verhalten und das Schweigen darüber normalisiert werden, schützt das die Täter, während Betroffene im Stich gelassen werden.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-5">Unsichtbar: Wie konnte es dazu kommen?</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ja, es gibt Übergriffe durch Fremdtäter, die ihre Opfer willkürlich aussuchen und danach nie wieder sehen. Doch sie sind – genauso wie pädophile Täter – statistisch gesehen eine Minderheit. Die Ergebnisse der Umfrage lassen die Frage sehr laut werden, ob es in Freikirchen möglicherweise Strukturen gibt, die den Missbrauch begünstigen. Gleichzeitig muss an dieser Stelle gesagt werden, dass Freikirchen in ihrer Organisation und ihren Ausdrucksformen sehr unterschiedlich sind und es durchaus Gemeinden gibt, die für dieses Thema bereits sensibilisiert sind. Doch die Fülle an Erfahrungsberichten lässt nicht zu, über strukturelle Risikofaktoren hinwegzusehen. Sexualisierte Gewalt ist in jedem Fall ein komplexes und vielschichtiges Thema, das nicht mit simplen Schuldzuweisungen oder schnellen Antworten erledigt ist. Was vor und was nach dem Missbrauch stattfindet, ist von großer Bedeutung. Denn sexualisierte Gewalt findet nie in einem luftleeren Raum statt, in dem sich Täter und Betroffene allein begegnen. Sie findet mitten unter uns statt und ist in ihrer Zerstörung vor allem deshalb so mächtig, weil zu viele Menschen schweigen oder es als unproblematisch ansehen, wenn Kinder regelmäßig Grenzüberschreitungen ausgesetzt werden. Sexualisierte Gewalt gegen Kinder ist Machtmissbrauch und – mehr noch – Vertrauensmissbrauch. Denn die Abhängigkeit und das kindliche Vertrauen gegenüber den Bezugspersonen werden schamlos ausgenutzt und für die eigene Befriedigung missbraucht. Oder wie der ehemalige Generalsekretär der Weltweiten Evangelischen Allianz, Thomas Schirrmacher, einst sagte: „Sexueller Missbrauch ist eben nicht eine kranke Form von Sexualität, sondern eine besonders erniedrigende Form von Gewalt.“</p>



<figure class="wp-block-pullquote has-base-color has-primary-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-6" style="border-style:none;border-width:0px"><blockquote><p><strong>Was vor und was nach dem Missbrauch stattfindet, ist von großer Bedeutung. Denn sexualisierte Gewalt findet nie in einem luftleeren Raum statt, in dem sich Täter und Betroffene allein begegnen.</strong></p></blockquote></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umfrageergebnisse zeichnen folgendes Bild: Sexueller Missbrauch findet in über der Hälfte der Fälle innerhalb der erweiterten Familie statt. Die Betroffenen sind zum Zeitpunkt der ersten Tat jünger, wenn der Täter aus dem familiären Umfeld stammt. Betroffene durch Täter aus einem freikirchlichen Umfeld gaben deutlich häufiger an, dass in ihrer Gemeinde eine strenge Sexualmoral herrschte, die Unterordnung der Frau wichtig war und Züchtigung im Rahmen der Erziehung praktiziert wurde. Spätestens an dieser Stelle wird die enge Verflechtung zwischen Familie und Freikirche und ihrer Theologie sichtbar. „Ich bin oft von meinem Ex-Mann zu Sex genötigt und einfach nur benutzt worden – gerne mit dem Argument, dass die Bibel ja sagt, dass man sich nicht entziehen soll“, schreibt eine Betroffene. Eine andere Umfrageteilnehmerin berichtet: „Ich wünsche mir, dass die Bibel nicht dazu gebraucht wird, Frauen und Kindern einen Maulkorb zu geben. Auch innerhalb der Ehe kommt dieser Missbrauch vor. In einem Seminar wurde von einem Gemeindeleiter erzählt, dass es ihm schwer fiel, eine Frau zu ihrem schlagenden Ehemann zurückzuschicken, doch er bezog sich auf Hagar, die von Gott wieder zu Sarah geschickt wurde.“</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-7">Unheilig: Die enge Verflechtung von Familie und Gemeinde</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das freikirchliche Umfeld lebt vor allem von der Gemeinschaft, zu der oftmals große Familien gehören. Das schreibt auch Christian Rommert, der Freikirchen zu Schutzkonzepten berät: „Bis heute leben Freikirchen noch immer von diesem Wir-Gefühl. In den Gemeinden findet sich ein Großteil des eigenen Freundeskreises. Die meisten Beziehungen spielen sich hier ab. (…) Das Vertrauen untereinander ist groß.“ Rommert, der sich ausführlich mit sexuellem Missbrauch in Freikirchen beschäftigte, nennt in seinem Buch „Trügerische Sicherheit“ folgende Risikofaktoren in christlichen Gemeinden: „das häufig sehr familiäre und sehr dichte Miteinander, das komplizierte Verhältnis zum Thema Sexualität, der Einsatz körperlicher Gewalt in der Erziehung, der Umgang mit dem Thema Gehorsam, der missbräuchliche Umgang mit dem Thema Vergebung, das Machtgefälle zwischen Mann und Frau, die Einstellung ‚Das gibt es bei uns nicht!‘.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer also meint, die Missbrauchsfälle seien dem „ganz normalen“ familiären Missbrauch zuzuordnen, der allerorts stattfindet, sollte einen Moment innehalten. Zunächst: Jeder Fall von sexuellem Kindesmissbrauch ist furchtbar und bedeutet für das Kind oft jahrelanges körperliches und seelisches Leid. Darüber hinaus tut die freikirchliche Gemeinschaft gut daran, sich Fragen zu ihrer Lebensweise, Theologie und Umgang mit Macht gefallen zu lassen. Denn die Art und Weise, wie Kinder erzogen werden, der Stellenwert der Frau sowie die unhinterfragte Autorität geistlicher Leiter sind zumindest in Teilaspekten von der Theologie beeinflusst. Immer wieder schrieben Umfrageteilnehmer, dass körperliche oder sexuelle Gewalt mit Bibelversen legitimiert wurde, eine Übersexualisierung stattfand während gleichzeitig Sexualaufklärung oft ausblieb.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch der Umgang mit bekannt gewordenen Missbrauchsfällen wirft schwerwiegende Fragen auf. Betroffene berichteten, dass sie nicht gehört wurden, den Tätern sofort vergeben mussten, vor allem aber selbst beschuldigt und geächtet wurden: „Meine Freundin musste einen Jungen mit 17 öfter oral befriedigen. Er drückte ihren Kopf mit Gewalt runter. Noch in der Nacht vor seiner Verlobung mit jemand anderem. Als sie es einem Seelsorger erzählte, wurde dem jugendlichen Mann drei Mal das Dirigieren des Chores verboten. Danach war seine Strafe erledigt. Meine Freundin kämpft heute noch mit den Folgen.“ Eine Betroffene, die von ihrem Jugendkreis-Leiter sexuell missbraucht und mit einem Messer bedroht wurde, schreibt: „Meine Familie und ich wurden behandelt wie Tiere und es wurde über uns hergezogen und wir als Lügner dargestellt. Ich konnte nicht mehr schlafen, kaum essen und war so traumatisiert, dass unklar war, wie ich die nächste Zeit überleben sollte. Gemeinden stellen sich auf die Seite des Täters, weil sie sonst ihr Ansehen und ihr perfektes Aussehen verlieren. Das finden sie ganz arg schlimm und steht höher als das Wohl der Opfer.“ Rommert sagt diesbezüglich im Interview mit Deutschlandfunk Kultur: „Über einen langen Zeitraum wurde der Schutz der Institutionen höher bewertet als der Schutz der Kinder und Jugendlichen und der Betroffenen.“</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-8">Ungeschützt: Prävention und Aufarbeitung gehen Hand in Hand</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Betroffene äußerten in den offenen Kommentaren, dass sie als Kinder nicht gewusst hätten, was gesunde Sexualität ist und wo Missbrauch anfängt. Niemand hatte ihnen jemals gesagt, wo ihre Grenzen sind und dass sie diese verteidigen dürfen. Viele Betroffene schrieben, dass sie erst als Jugendliche oder Erwachsene aufgeklärt wurden und vorher kein Verständnis davon hatten, was sexualisierte Gewalt ist. Sexuelle Übergriffe in der Kindheit gehörten oft zum Alltag dazu: „Mit fünf bis sieben Jahren wurde ich auf den Schoß genommen, geküsst und gedrückt, und er hat sein erregtes Glied an mir gerieben oder gedrückt – allerdings in Kleidung und fast immer in voller Öffentlichkeit und Anwesenheit der Familie. Ich wurde von ihm festgehalten und musste auf dem Schoß sitzen bleiben. Es hieß nur, ‚Ach, der Onkel liebt Kinder so sehr!‘“ Dass die hier zitierten Kommentare allesamt von Frauen stammen, ist kein Zufall: Der Anteil der weiblichen Betroffenen in Freikirchen, bei denen auch der Täter aus einem freikirchlichen Umfeld stammt, liegt bei 94 Prozent.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der offenen Schlussfrage der Online-Umfrage teilten knapp 1.800 Teilnehmer in teils sehr ausführlichen Kommentaren mit, was sie sich wünschen oder gewünscht hätten. Betroffene wie Nichtbetroffene wünschen sich vor allem ein Ende des Schweigens und einen ehrlichen und ganzheitlichen Umgang mit dem Thema Sexualität innerhalb ihrer Gemeinden. Die Kommentare zeigen auch, dass es einen riesigen Bedarf an Aufklärung, professionellen Schulungen und Anlaufstellen zum Thema innerhalb von Freikirchen gibt. Dazu gehören auch weibliche Seelsorger und Therapeuten für Betroffene sowie unabhängige Anlaufstellen, da die Betroffenen den eigenen Verbänden, Gemeinden und Leitern oft nicht vertrauen. Und immer wieder schrieben Betroffene: „Ich hätte mir gewünscht, mir hätte jemand geglaubt und gesagt, dass ich nicht schuld bin.“ Es ist Teil des kindlichen Vertrauens gegenüber seinen Bezugspersonen, dass das Verhalten der Erwachsenen in den Augen des Kindes immer richtig ist. Ein Kind sucht die Ursache für aggressives oder übergriffiges Verhalten vonseiten eines Erwachsenen stets bei sich selbst – umso mehr, wenn der Erwachsene ihm droht, körperliche Gewalt einsetzt oder dem Kind suggeriert, dass es den sexuellen Kontakt ja auch gewollt hätte.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-primary-color has-text-color has-link-color wp-elements-9">Unerträglich: Der Wahrheit ins Auge blicken</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Anzuerkennen, dass innerhalb der Freikirchen so viele Menschen sexualisierte Gewalt erfahren haben, verlangt sehr viel Mut. Denn in dem Moment gerät das eigene Weltbild – und nicht selten auch der Glaube und das Gottesbild – ins Wanken. Wenn aber das reflexartige Augenverschließen und die schnelle Vergebung keine Option mehr sind – was bleibt dann? Es gebe die Vorstellung, dass auf Schuld gleich Vergebung erfolgen sollte, sagt Co-Autor der ForuM-Studie Fabian Kessl. „Hier braucht es eine Auseinandersetzung mit der wahrscheinlich auch theologischen Frage: Wie kann man auch aushalten, dass es Schuld gibt in Kirche, ohne dass die schnell und überhaupt vergeben werden kann?“ Auf das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen folgt nicht selten der Aufruf, den Tätern zu vergeben. Doch der Aufruf zu voreiliger Vergebung spricht den Betroffenen erneut ihre Würde ab, weil sie dadurch nicht ernst genommen werden. Ihr Leid muss und darf in einem ersten Schritt stehen bleiben und schmerzen. Vergebung ist wichtig, doch ob und wann Betroffene den Tätern vergeben, entscheiden allein die Betroffenen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Jesuit Klaus Mertes tat einen mutigen Schritt, als er im Januar 2010 in einem Brief die Missbrauchsbetroffenen des Berliner Canisius-Kollegs um Vergebung bat. Als Erster stellte er sich unmissverständlich hinter die Betroffenen. Die Veröffentlichung des Briefes und der ersten Missbrauchsfälle löste eine Lawine aus. Mertes erkennt: „In der katholischen Kirche ist eine große Krise sichtbar geworden. Meine Hoffnung ist, dass das derzeitige System erneuert wird. Voraussetzung dafür ist: Wir müssen darüber sprechen, was uns Angst macht. Denn die Angst hindert uns zu hören, was uns die Opfer sagen.“</p>



<figure class="wp-block-pullquote has-base-color has-primary-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-10" style="border-style:none;border-width:0px"><blockquote><p><strong>Ich bin überzeugt: Menschen treten nicht aus, weil wir uns den Problemen stellen, sondern wenn sie das Gefühl haben, dass wir wegschauen. Es bringt nichts, wenn wir den Deckel so lange draufhalten, bis alles explodiert. Das Risiko ist größer, wenn wir nichts tun.</strong></p><cite>Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz</cite></blockquote></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Eine dieser Ängste ist die Befürchtung, dass Menschen sich von den Kirchengemeinden abwenden würden, wenn das Ausmaß der Missbräuche bekannt wird. Die Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz, Rita Famos, hat dazu eine klare Auffassung: „Ich bin überzeugt: Menschen treten nicht aus, weil wir uns den Problemen stellen, sondern wenn sie das Gefühl haben, dass wir wegschauen. Es bringt nichts, wenn wir den Deckel so lange draufhalten, bis alles explodiert. Das Risiko ist größer, wenn wir nichts tun.“ Die Verantwortung, das Schweigen zu brechen, liegt dabei nicht zentral bei den Betroffenen. Dieser Ansicht ist auch Christina Clemm, die als Anwältin seit 30 Jahren Frauen vertritt, die Opfer von Gewalt wurden: „Oft wird vorwurfsvoll gesagt: Die Betroffenen müssen ihr Schweigen brechen. Das stimmt. Zuallererst müsste aber das gesamte Umfeld das Schweigen brechen!“ Die Betroffenen haben durch ihre Teilnahme an der Umfrage einen großen Schritt ins Licht gewagt. Manche von ihnen haben das erlebte Unrecht zum ersten Mal beim Namen genannt. Es ist jetzt an uns, ob auch wir einen Schritt auf die Betroffenen zugehen und ihren Worten Gehör und Glauben schenken.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



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<div class="wp-block-group alignwide is-style-section-3 has-global-padding is-layout-constrained wp-container-core-group-is-layout-1b72b19c wp-block-group-is-layout-constrained" style="margin-top:0">
<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized is-style-icon"><img decoding="async" src="https://dunkhellziffer.de/wp-content/themes/powder/assets/icons/icon-quote-top.svg" alt="Quote top icon" style="width:60px;height:auto"/></figure>



<div class="wp-block-group is-layout-flow wp-container-core-group-is-layout-f22b5e1f wp-block-group-is-layout-flow" style="margin-top:var(--wp--preset--spacing--80);margin-bottom:var(--wp--preset--spacing--80)">
<p class="has-text-align-center has-xx-large-font-size wp-block-paragraph" style="line-height:1">Ihr habt mich nie gefragt – jetzt frage ich euch</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Ich wusste, dass ich schweigen soll und muss.<br>Schweigen, damit nichts kaputt geht,<br>schweigen, damit alles so weiter gehen kann.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Es ist mir zu einem eingebrannten Glaubenssatz geworden:<br>Wenn ich den Mund aufmache, dann geht etwas kaputt –<br>und das darf es auf keinen Fall!</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">So bin ich still – bis heute<br>und das Schweigen wurde für mein Herz zu einem brüllenden Orkan.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">War irgendjemandem bewusst,<br>dass, wenn ich schweige, bleibt euer Konstrukt heile –<br>ABER ICH GEHE DABEI KAPUTT?<br>Ist euer Konstrukt mehr wert als ich?<br>Und warum ist es so wichtig, dass euer Konstrukt heile bleibt,<br>wenn es eigentlich kaputt macht?</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Kann so etwas wirklich Gottes Wille sein?<br>Wie soll mein Herz glauben können, dass Gott gut ist,<br>mich liebt und es gut mit mir meint,<br>wenn es durch „wir machen das alles für Jesus“ kaputt gegangen ist?</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Ich möchte euch nicht nur anklagen,<br>denn ich weiß, dass es auch für euch nicht leicht war.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">Aber ich bitte euch,<br>erlaubt mir und uns den Mund jetzt endlich aufmachen zu dürfen<br>und unsere Geschichte zu erzählen –<br>um meinetwillen und derer, die vor mir waren und mit mir waren<br>und nach mir kamen und in Zukunft noch kommen werden!</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph">— Sarah</p>



<figure class="wp-block-image aligncenter size-full is-resized is-style-icon"><img decoding="async" src="https://dunkhellziffer.de/wp-content/themes/powder/assets/icons/icon-quote-bottom.svg" alt="Quote bottom icon" style="width:60px;height:auto"/></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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<p class="has-base-color has-primary-background-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-11 wp-block-paragraph" style="border-style:none;border-width:0px"><strong>IN EIGENER SACHE:</strong> <br>Von der Erstellung bis zur Auswertung der Umfrage haben wir, Debora und Daniel Höly, über sechs Monate unserer Arbeitszeit investiert. Das erfolgte ehrenamtlich und unentgeltlich. Wenn dir diese Arbeit etwas Wert ist und du möchtest, dass es weitergeht, kannst du uns gerne via PayPal unterstützen: <a href="https://paypal.me/dunkhellziffer">https://paypal.me/dunkhellziffer</a></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Der Sumpf</title>
		<link>https://dunkhellziffer.de/der-sumpf/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Debora Höly]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 05 Jul 2020 10:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Artikel]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://dunkhellziffer.de/?p=543</guid>

					<description><![CDATA[<p>Sexuelle Gewalt gegen Kinder darf uns nicht sprachlos machen!</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dunkhellziffer.de/der-sumpf/">Der Sumpf</a> erschien zuerst auf <a href="https://dunkhellziffer.de">Dunkhellziffer</a>.</p>
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										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">Sexuelle Gewalt gegen Kinder darf uns nicht sprachlos machen!</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Viele Jahre habe ich mich für Frauen in der Prostitution eingesetzt — privat und beruflich. Ich habe fast alles zu dem Thema gelesen, was es gab, habe mit Frauen in der Prostitution gesprochen und beruflich die Pressearbeit einer Organisation mitgestaltet, die sich für diese Frauen einsetzt. Je mehr ich mich in das Thema vertiefte, desto mehr wurde mir der Sumpf bewusst, der Abgrund, in den ich dort blickte, war mit Worten nicht mehr zu beschreiben. Was die Frauen uns erzählten, was ich in Recherchen über die Freier herausfand, war himmelschreiendes Unrecht. Wir hielten Vorträge, schrieben Artikel, fuhren bundesweite Kampagnen, bestürmten Politiker. Die Resonanz war beschämend gering. Meine Kolleginnen und ich fragten uns ständig, was noch passieren müsste, damit diese Frauen von Gesellschaft und Politik endlich gesehen werden und endlich wirksam gegen die Maschinerie der Sexindustrie vorgegangen wird. Meine damalige Chefin und Gründerin der Organisation sagte damals: „Wenn es Kinder wären. Wenn aufgedeckt würde, dass massenweise Kinder betroffen sind, dann würden sie nicht mehr wegschauen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lügde, Münster, Bergisch Gladbach. 30.000 Hinweise zu Tätern, 3 Petabyte beschlagnahmtes Material, tausende Opfer. Das ist nur der Bereich, der momentan sichtbar ist, in nur einer Region unseres Landes — und es ist nicht so, dass die anderen Bundesländer diese Problematik nicht haben. Prostitution und Pornografie ist nicht dasselbe, denkst du? Nein, ist es nicht, aber es ist eng miteinander verbunden. Das eine floriert, weil es das andere gibt. Und wenn ein Vater seine Kinder seinen Freunden anbietet, damit diese an ihnen ihr Unwesen treiben können — was ist das anderes als Kinderprostitution?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deutschland ist Weltmeister — nein, nicht im Fußball, sondern im Pornos gucken. Wir sind das Land, das sich am meisten Pornos anschaut. Auf der ganzen Welt. Weltweit werden mit Pornografie 12,6 Millionen Euro Umsatz gemacht — jeden Tag. Die Nachfrage ist riesig und sie wird bedient — auch in Bezug auf Kinder. Bei Pornografie mit Erwachsenen und Prostitution wird in unserem Land ständig darüber gestritten, ob diese nun freiwillig stattfindet oder nicht. Ich finde diese Diskussion völlig daneben und unverhältnismäßig. Aber spätestens bei Kinderpornografie und Kinderprostitution gibt es diese Frage nicht! In beiden Fällen halte ich nur eine begriffliche Definition für angemessen: sexuelle Gewalt gegen Kinder.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Studien haben gezeigt, dass Frauen, die in der Prostitution waren, schwer traumatisiert zurückbleiben. 66 Prozent dieser Frauen sind so traumatisiert wie Kriegs- oder Folteropfer. Diese Traumata nimmt Deutschland bewusst in Kauf. Wofür? Für unsere vermeintliche Freiheit (ein gesetzliches Verbot wäre ja eine Einschränkung der Freiheit). Wir nehmen es in Kauf, damit Männer sich mit Geld die Macht über diese Frauen kaufen können. Wir nehmen in Kauf, dass Menschen zur Ware und Sexualität zur Dienstleistung verkommt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">30.000 Täterhinweise, die nur einen winzigen Einblick geben in den Sumpf, der unfassbar viel größer ist. Was im Darknet tagtäglich verbreitet wird, zerstört nicht nur das Leben dieser kleinen Geschöpfe. Es ist ein unbeschreiblich brutaler Angriff auf ihr Wesen, ihre Seele, ihre Würde. Kein Mensch ist verloren, egal, welche schlimmen Erfahrungen er machen musste — ich bin davon überzeugt, dass es immer Hoffnung gibt. Aber diese Brutalität gegen die Schwächsten unserer Gesellschaft darf uns nicht kalt lassen. Sie darf uns auch nicht sprachlos machen. Wir alle müssen anfangen, Worte und angemessene Taten dafür zu finden. Es fängt bei dir und bei mir an. Niemand ist so klein und unbedeutend, dass er nicht etwas verändern könnte. Es ist gar nicht lange her, da schaffte ein 16-jähriges, schmächtiges Mädchen aus Schweden die ganze Welt zu mobilisieren. Und hier geht es nicht um das Klima — es geht um Seelen und unsere Würde.</p>
<p>Der Beitrag <a href="https://dunkhellziffer.de/der-sumpf/">Der Sumpf</a> erschien zuerst auf <a href="https://dunkhellziffer.de">Dunkhellziffer</a>.</p>
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